Filmen mit dem Smartphone: 10 Tipps für professionelle Videoqualität

Heutzutage hat fast jeder eine Videokamera in der Tasche: das Smartphone. Es ist zu einem immer wichtigeren kreativen Werkzeug geworden. Manche meinen sogar, dass Videomaterial andere Wege ablöst und zu unserem Hauptmittel der Kommunikation mit der Außenwelt wird.

 


Eigentlich braucht man dafür kein teures Equipment. Mit ein wenig Übung und den richtigen Techniken lässt sich mit dem Smartphone knackig-scharfes Video-Material aufnehmen, ein Vlog erstellen oder sogar ein Kurzfilm oder eine Dokumentation drehen.

 

Die folgenden zehn Tipps helfen dir dabei, genau die Aufnahmen zu machen, die du dir vorstellst. Sie klingen vielleicht sehr simpel, bringen aber konstant bessere Ergebnisse, wenn du sie konsequent anwendest.

 

Grundlegende Einstellungen und Bildkomposition

Im Querformat filmen

Wenn du deine Videos nicht ausschließlich auf TikTok oder als Instagram Story teilen möchtest, können die schwarzen Balken links und rechts das Seherlebnis schnell ruinieren.

 

Um diesen häufigen Fehler zu vermeiden, solltest du im Querformat statt im Hochformat filmen. Das Querformat wirkt nicht nur natürlicher, sondern eignet sich auch perfekt für den Fernseher oder große Bildschirme. Außerdem fängst du damit einen wesentlich breiteren Ausschnitt der Szene ein.

 

Rasterlinien aktivieren und die Drittel-Regel nutzen

Sobald du das Querformat gewählt hast, sollte das Motiv das Bild gut ausfüllen. Du kannst das Motiv auch leicht außerhalb der Mitte platzieren, um das Bild dynamischer zu gestalten. Probiere einfach etwas aus und schau, was am besten wirkt.

 

Bei den meisten Smartphone-Kameras lässt sich in den Einstellungen ein „Gitter“ oder „Raster“ einschalten. Die Linien auf dem Display helfen dir bei der Bildgestaltung. Eine der bekanntesten Methoden ist die Drittel-Regel: Platziere das Hauptmotiv auf einer der vertikalen Linien des 3x3-Rasters oder richte den Horizont an einer der horizontalen Linien aus.

 

Zoom und Lichtkontrolle

Optischen Zoom bevorzugen oder einfach näher herangehen

Digitaler Zoom verschlechtert die Bildqualität spürbar. Die gute Nachricht: Viele Mittel- und Oberklasse-Smartphones bieten inzwischen einen optischen Zoom oder verlustfreien Zoom, bei dem kaum Details verloren gehen.

 

Fehlt deinem Smartphone ein optischer Zoom, gehst du am besten einfach näher an dein Motiv heran. Besonders bei Porträts lohnt sich das, damit Sommersprossen, feine Fältchen oder der leichte Flaum auf den Wangen für das Publikum sichtbar werden.

 

Auf den Blitz des Smartphones möglichst verzichten

Jeder kennt vermutlich diese Videos: ein dunkler Hintergrund, gelbliche Haut und rote Punkte in den Augen. Das liegt selten am Kameramann selbst, sondern meist am Smartphone-Blitz. Die verbauten LED-Lichter sind oft zu grell, verfälschen die Farben und sorgen selten für schönes Licht.

 

Suche dir bei Nachtaufnahmen lieber andere Lichtquellen oder nutze den Nachtmodus deines Smartphones. Allerdings bieten noch nicht viele Modelle einen wirklich guten Nachtmodus für Videos, und bei Schwachlicht stoßen sie schnell an ihre Grenzen. Wenn du wirklich zusätzliches Licht brauchst, ist die einfachste und günstigste Lösung kein neues Smartphone, sondern ein kleines LED-Videolicht oder ein Ringlicht.

 

Gegenlicht vermeiden

Achte beim Ausrichten des Lichts auch darauf, dass dein Motiv nicht mit dem Rücken zur Lichtquelle steht. Steht eine Person im Gegenlicht, kann das menschliche Auge das Gesicht zwar meist noch gut erkennen, das Smartphone jedoch nicht. Das Ergebnis ist oft nur eine dunkle Silhouette vor einem hellen Hintergrund. Dadurch gehen alle Gesichtsausdrücke und damit die eigentliche Aussage verloren.

 

Wenn dein Smartphone nicht über ein extrem fortschrittliches HDR verfügt, solltest du hier aufpassen. Fällt dir Gegenlicht auf, ändere einfach deine Position oder bitte die Person, sich zum Licht zu drehen. Manche Kamera-Apps versuchen Gegenlicht auszugleichen, am besten vermeidest du es aber von vornherein.

 

Dynamik und Stabilisierung

Zeit mit Zeitraffer komprimieren

Zeitraffer ist eine Aufnahmetechnik, bei der die Bildrate während der Aufnahme deutlich niedriger ist als bei der normalen Wiedergabe. Bei gewöhnlicher Abspielgeschwindigkeit wirkt die Zeit dadurch wie im Zeitraffer beschleunigt.

 

Mit anderen Worten: Zeitraffer rafft lange Abläufe auf ein Minimum zusammen. Veränderungen, die eigentlich Stunden, Tage oder noch länger dauern, lassen sich so in wenigen Sekunden oder Minuten zeigen. Die meisten Kameras auf aktuellen Smartphones haben eine eingebaute Zeitraffer-Funktion. Falls nicht, helfen Apps wie Hyperlapse oder Framelapse Pro weiter.

 

Ruhig halten und bei Bedarf ein Gimbal nutzen

Elektronische und optische Bildstabilisierung gehören zu den größten Fortschritten bei Smartphones in den letzten Jahren. Sie reduzieren Verwacklungen aus der Hand deutlich. Wenn du jedoch mit der Kamera mitgehen oder dich um Personen oder Objekte herumbewegen möchtest, ist ein Gimbal nach wie vor die beste Wahl für flüssige Aufnahmen.

 

Es gibt viele Gimbals auf dem Markt, wobei die OSMO-Reihe von DJI zu den bekanntesten gehört. Zusammen mit der passenden App holst du das Beste aus den Videofähigkeiten deines Smartphones heraus und erzielst stabile Aufnahmen mit Kinolook, die rein von Hand kaum machbar sind.

 

Kreativität und Nachbearbeitung

Filter und AR-Effekte einsetzen

Apps wie Snapchat haben die Art und Weise verändert, wie Menschen Videos aufnehmen, und das schnelle Teilen von Kurzvideos populär gemacht. Heute bieten viele Social-Media-Plattformen Filter, Augmented-Reality-Effekte und Sounds. Damit kannst du deine Videos unterhaltsamer gestalten oder gewöhnlichen Szenen eine völlig neue visuelle Ebene verleihen.

 

Möglichkeiten mit Zubehör erweitern

Smartphone-Kameras haben enorme Fortschritte gemacht, reichen aber immer noch nicht ganz an Profi-Kameras von Canon, Nikon oder Sony heran. Ein wichtiger Grund dafür ist, dass die Standard-Kamera-Software oft noch keine feine manuelle Kontrolle erlaubt, auch wenn sich hier vieles schnell verbessert.

 

Möchtest du die Videoqualität steigern, ohne gleich viel Geld für eine DSLR auszugeben, kannst du zu Smartphone-Zubehör greifen. Die Auswahl ist groß und reicht von Stativhalterungen bis hin zu Ansteckobjektiven. Damit gelingen dir noch vielseitigere Aufnahmen.

 

Schnitt macht das Material erst richtig gut

Der letzte Schritt ist der Schnitt. Ein gelungener Schnitt verwandelt gewöhnliches Material in ein echtes Highlight. Mittlerweile lässt sich der Feinschliff direkt auf dem Smartphone erledigen, ganz ohne komplexe Software am PC.

 

Auf iOS und Android ist das Trimmen von Clips, das Hinzufügen von Übergängen, Titeln und Effekten spielend leicht. Egal ob für ein Highlight-Video oder eine Schulaufgabe, mobile Apps vereinfachen den gesamten Prozess. iMovie von Apple ist dafür ein hervorragendes Beispiel. Es unterstützt Titel, Übergänge und sogar Filmtrailer und bietet Funktionen wie Bild-im-Bild, Split-Screen und Zeitlupe, ganz ähnlich wie die Mac-Version.

 

Weitere gute Alternativen sind Pinnacle Studio, Videon, Magisto oder Adobe Premiere Rush. Premiere Rush kombiniert Funktionen von Premiere Pro mit einfacher Bedienung und eignet sich perfekt für die meisten Nutzer.

 

Diese zehn Tipps erfordern kein teures Zusatz-Equipment. Du kannst ganz einfach mit dem Querformat und den Gitterlinien starten und dich Schritt für Schritt an Lichtkontrolle, Stabilisierung und Schnitt herantasten. Wenn du viel filmst und ausprobierst, wird sich die Qualität deiner Smartphone-Videos spürbar verbessern.

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